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GASTBEITRAG – Transformation gelingt dort, wo Partnerschaft den Unterschied macht

ULA-NA, ULA-NA 08/2025
ULA/ Jens Schicke

Autor: Alexander Schweitzer (Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz)

Veränderung geschieht nicht am Rand, sondern im Zentrum unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft. Genau dort braucht sie Orientierung und Führung. Internationale Märkte verschieben sich, technologische Entwicklungen beschleunigen Arbeitsprozesse und der Bedarf an gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften wächst. Diese Veränderungen sind keine Bedrohung, sondern eine Einladung zur Gestaltung. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Ob wir sie erdulden oder gemeinsam gestalten.

In Rheinland-Pfalz tun wir Letzteres. Wir setzen auf die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft. Unser Ziel ist es, die Zukunft nicht zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten: mit klaren Prioritäten, mit Verantwortung und mit einer offenen Haltung für den Wandel.

Rheinland-Pfalz ist ein Land der Tatkraft. Die Menschen in unserem Bundesland arbeiten in internationalen Industrieunternehmen, innovativen Startups und im handwerklichen Mittelstand. Diese wirtschaftliche Vielfalt ist unsere Stärke. Sie braucht politischen Rückhalt, Planungssicherheit und moderne Infrastruktur.

Dabei blicken wir stets auch über die Landesgrenzen hinaus. Politische Entwicklungen in anderen Weltregionen, wie die Veränderungen in den Vereinigten Staaten oder der Krieg in der Ukraine, haben unmittelbare Auswirkungen auf unsere Unternehmen. In einem Land, das stark vom Export lebt, ist wirtschaftliche Stabilität eng mit verlässlicher internationaler Zusammenarbeit verbunden.

Unsere Antwort auf diese Veränderungen ist ein klarer politischer Kurs. Wir bringen die relevanten Akteure an einen Tisch und arbeiten gemeinsam an Lösungen. Im Transformationsrat entwickeln Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft konkrete Vorschläge, die sich an praktischen Herausforderungen orientieren. Ergänzend führen wir kontinuierliche Gespräche mit Unternehmen über aktuelle Entwicklungen, etwa über Energiepreise, Handelsfragen oder Technologietrends. Unser Anspruch ist klar: nicht reden, sondern handeln. Und zwar gemeinsam.

Ein Beispiel dafür ist der Bürokratieabbau, den wir in Rheinland-Pfalz mit Nachdruck vorantreiben. Dabei geht es nicht allein um die Vereinfachung von Verfahren, sondern auch um eine veränderte Verwaltungskultur. Genau hier ist Führung gefragt. Wenn Veränderung gelingen soll, braucht es eine klare Haltung an der Spitze. Wer Verantwortung trägt, muss den Anspruch auf Vereinfachung vorleben, einfordern und im eigenen Handeln sichtbar machen. Nur so entsteht Dynamik, in der Verwaltung ebenso wie in der Wirtschaft. Veränderung braucht nicht nur Ideen, sondern auch Tempo und Verlässlichkeit. Deshalb hat die Landesregierung unter meiner Führung ein umfassendes Bürokratieabbaupaket mit 57 Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Dazu zählen der Abbau von Berichtspflichten, die Digitalisierung von Verfahren sowie schnellere Abläufe bei Bau und Vergabe. Das sind konkrete Schritte, die gerade kleine und mittlere Unternehmen entlasten und Vertrauen schaffen. Denn wer investieren will, braucht Planungssicherheit und eine pragmatisch arbeitende Verwaltung. Neben schlanken Verfahren ist auch der Blick auf die Menschen entscheidend, die den Wandel gestalten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gewinnung und Entwicklung von Fachkräften sowie von Menschen in verantwortlichen Positionen. Deshalb steht für uns die Fachkräftesicherung im Zentrum unserer politischen Arbeit. Im April haben wir ein neues Fachkräftepaket mit 27 Maßnahmen vorgelegt. Dazu zählen der Jobcoach 24 Plus für Arbeitssuchende, der Fachkräfteplaner für die strategische Personalentwicklung in Unternehmen sowie Programme zur schnelleren Anerkennung internationaler Abschlüsse. So sichern wir die Talente, die unser Land für eine erfolgreiche Transformation braucht.

Führungspersönlichkeiten sind dabei von zentraler Bedeutung. Sie verbinden langfristige Strategien mit dem Alltag in den Betrieben. Sie schaffen Vertrauen, vermitteln Orientierung und geben Sicherheit in Zeiten der Veränderung. Sie sind Brückenbauer zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung. Ihre Entscheidungen wirken weit über das Unternehmen hinaus. Sie betreffen Arbeitsplätze, neue Entwicklungen und die Kultur der Zusammenarbeit in einer Region.

Führung bedeutet heute nicht nur Leistungsfähigkeit, sondern auch Haltung. Gerade in der Transformation entscheidet sich, ob wirtschaftlicher Wandel mit gesellschaftlichem Zusammenhalt verbunden bleibt. Diese Leistung verdient Anerkennung und Aufmerksamkeit. Wer ein Unternehmen führt, trägt Verantwortung, die über Zahlen und Ergebnisse hinausgeht.

Wenn wir gemeinsam handeln, mit klarem Blick, mit Offenheit und mit gegenseitigem Respekt, dann wird aus Veränderung Fortschritt. Nicht als abstraktes Versprechen, sondern als gemeinsame Erfahrung. In Rheinland-Pfalz wollen wir genau das erreichen. Schritt für Schritt. Im Austausch. Und mit dem Ziel, dass unser Land auch morgen ein Ort des Mutes, der Innovationskraft und des Zusammenhalts bleibt. Gleichzeitig ist klar: Dieser Weg endet nicht an Landesgrenzen. Die bevorstehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation verlangt eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ländern, Kommunen und dem Bund.

Damit der Standort Deutschland stark bleibt, braucht es jetzt klare politische Signale aus Berlin: verlässliche Bedingungen für Investitionen, eine moderne Infrastrukturstrategie und deutlich beschleunigte Planungsverfahren. Die Erfahrung, die Sie als Führungskräfte täglich in Ihren Unternehmen sammeln, ist für diese gemeinsame Aufgabe unverzichtbar. Lassen Sie uns diese Expertise noch stärker in die wirtschaftspolitische Gestaltung einbringen.

Wir brauchen Ihre Perspektive, Ihre Haltung und Ihren Mut zur Verantwortung.

19. August 2025
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