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GASTBEITRAG – Zeitenwende in den transatlantischen Beziehungen?

ULA-NA, ULA-NA 06/2025
Jürgen Mai

Autor: Simone Menne (Präsidentin der AmCham Germany)

Die transatlantische Partnerschaft ist international einzigartig. Ihre Stärke resultiert aus den zahlreichen,
oft langjährigen Verbindungen auf regionaler, lokaler und persönlicher Ebene in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und jedem anderen gesellschaftlichen Bereich. Diese Verbindungen werden im Kern immer durch Teams und ihre Führungskräfte aufseiten beider Partner getragen. Das beinhaltet gleichermaßen Stolz und Verantwortung.

Die Komplexität der Partnerschaft hat seit der zweiten Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump deutlich zugenommen. Die aktuellen Umbrüche und die damit verbundenen Herausforderungen auf Regierungsebene sind signifikant. Die dort gesetzten Rahmenbedingungen betreffen auf beiden Seiten des Atlantiks direkt oder indirekt wahrscheinlich jedes Unternehmen. Das zeigt sich besonders deutlich in der Handelspolitik und in den bewährten globalen Lieferketten und Netzwerken.

Diese Herausforderungen sind so umfassend, dass manche die transatlantische Partnerschaft mit einer historischen Belastungsprobe konfrontiert sehen und eine tiefgreifende Unabhängigkeit der EU fordern. Ich sehe aber keine Zeitenwende und halte den Begriff im Zusammenhang mit den Vereinigten Staaten für unpassend, da er heute vor allem mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Friedensordnung Europas verbunden ist.

In der aktuellen Situation der transatlantischen Partnerschaft gibt es meines Erachtens keinen Zweifel, dass ein stärkeres europäisches Engagement, beispielsweise im Sicherheits- und Verteidigungsbereich, und wirksame Rahmenbedingungen für mehr europäische Wettbewerbsfähigkeit dringend notwendig sind. Die Vernetzung beider Volkswirtschaften muss aber weiterhin wesentliche Säule der transatlantischen Allianz bleiben. Europas Resilienz wird durch diese Partnerschaft stets stärker sein als ohne. Das gilt nach meiner Überzeugung auch umgekehrt. Dafür sollten und müssen Führungskräfte sich gerade jetzt engagiert einsetzen.

Im transatlantischen Handel steht zurzeit viel auf dem Spiel. Aber sein großer Umfang, die Höhe der gegenseitigen Investitionen und die weit verzweigte Vernetzung der Volkswirtschaften sind stabilisierende Faktoren. So hat der Wert der Importe und Exporte mit unserem größten Handelspartner im vergangenen Jahr 253 Milliarden Euro betragen. Das ist so elementar für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze in den USA, in Deutschland und in der gesamten EU, dass eine langfristig stabile Verhandlungslösung für die derzeitigen Handelskonflikte so schnell wie möglich geboten ist.

Die ersten Monate der zweiten Administration von Präsident Trump waren von zahlreichen wirtschaftspolitischen Entscheidungen und ihrer mitunter mehrfachen Modifikation geprägt. Die Unternehmen brauchen für ihre Marktstrategien und Investitionsentscheidungen stabile Rahmenbedingungen nach dem bewährten Prinzip „So viel Politik wie nötig und so viel Markt wie möglich“. Das Vertrauen in dieses Prinzip und in die Beständigkeit politischer Entscheidungen muss wieder hergestellt werden – für Wachstum und Wohlstand sowie letztendlich Stabilität und Sicherheit.

Das gilt auch in Deutschland. Die neue Bundesregierung muss die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit hierzulande zu ihrer politischen Priorität machen und in der EU für eine offenere Handelspolitik die Führung übernehmen. AmCham Germany wird sie darin stets unterstützen und sich für diese Ziele weiterhin mit ganzer Kraft einsetzen.

3. Juni 2025
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