Offener Brief zum Kündigungsschutz
Die Aufweichung des Kündigungsschutzes wäre kein Wirtschaftstreiber, sondern ein Dammbruch
Seit Ende 2025 nimmt die Debatte um die Aufweichung des Kündigungsschutzes an Fahrt auf. Die wirtschaftlichen Herausforderungen bieten einen fruchtbaren Boden hierfür. Der Kündigungsschutz, so heißt es, sei eine Bremse für „Flexibilität“, „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Modernisierung“. Nun ringen die Koalitionsfraktionen CDU, CSU und SPD um die Parameter einer solchen Aufweichung. Doch wer darüber diskutiert, ab welcher Gehaltshöhe Arbeitnehmende nicht mehr als schutzbedürftig gelten sollen, der verkennt die Realität vieler Fach- und Führungskräfte, die von einer solchen Regelung betroffen wären.
Der Deutsche Führungskräfteverband ULA widerspricht dieser Argumentation und hat sich deshalb in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und Bundeswirtschaftsministerin Reiche gewandt.
Die darin vertretenen Kernargumente lauten:
Strategische Verantwortung erfordert Risiko – und Rückhalt – Führungskräfte müssen in unsicheren Zeiten mutige Entscheidungen treffen können und benötigen dafür verlässlichen Rückhalt.
Der Kündigungsschutz an sich ist keine Bremse für Wettbewerbsfähigkeit – Ein funktionierender Kündigungsschutz sichert das Gleichgewicht zwischen unternehmerischer Freiheit und persönlicher Sicherheit. Leistungsfähigkeit und Kreativität entstehen durch Verlässlichkeit, nicht durch Angst vor Jobverlust.
Einkommen allein ist kein Indikator für Schutzwürdigkeit – Auch gutverdienende Führungskräfte tragen hohe Verantwortung und benötigen stabile Rahmenbedingungen.
Mangelnde Flexibilität beim Kündigungsschutz ist ein Mythos – Bestehende Regelungen ermöglichen Unternehmen schon heute erhebliche Anpassungsfähigkeit.
Arbeitnehmerrechte sind ein Erfolg – auch im globalen Wettbewerb – Fairness, Stabilität und Vertrauen machen Deutschland im Wettbewerb um Talente attraktiv.
Das dänische „Flexicurity“ Modell enthält eine stärkere Absicherung – nicht nur Flexibilität – Das dänische Modell funktioniert nur durch seine starke soziale Absicherung und aktive Arbeitsmarktpolitik. Nur die Flexibilität zu übernehmen, ohne die soziale Absicherung, verzerrt das Grundprinzip des Modells.
In einem dynamischen Wettbewerb müssen auch Unternehmen dynamisch handeln können – Bestehende Instrumente reichen aus, um Fehlbesetzungen zu korrigieren und Anpassungen vorzunehmen.
Weitere Informationen finden Sie im Brief, sowie einem Interview mit Roland Angst in The Pioneer, bei LinkedIn und im Kommentar des ULA-Präsidenten Roland Angst auf LinkedIn.


