Selbst wenn Führungskräfte über viele Jahre hervorragende Ergebnisse geliefert haben, ist das keine Garantie dafür, dass sie bei aktuellen Restrukturierungen oder Übernahmen nicht plötzlich ihren Arbeitsplatz verlieren. Der oft unfreiwillige Abschied – insbesondere wenige Jahre vor dem Ruhestand – stellt die Betroffenen vor große Herausforderungen. Der Ausstieg bietet jedoch auch Chancen für eine finanzielle Neuausrichtung.

Der benötigte Betrag, um einige Jahre bis zum Rentenbeginn zu finanzieren, ist dabei noch recht einfach anhand der bestehenden Ausgaben hochzurechnen. Gelder, die in dieser Zeit benötigt werden, können weder langfristig noch risikoreich angelegt werden, was im Niedrigzinsumfeld nur sehr geringe Renditen erwarten lässt.

Schwieriger ist zu ermitteln, ob die durch den vorzeitigen Ausstieg reduzierten Renten später ausreichen werden. In einem ersten Schritt müssen dazu die monatlichen Lebenshaltungskosten im Ruhestand abgeschätzt werden. Der finanzielle Bedarf ist dabei individuell unterschiedlich und unter anderem von der Familiensituation und gegebenenfalls noch bestehenden Verbindlichkeiten abhängig. Als grobe Kalkulationsbasis gilt ein benötigtes Rentenniveau (Nettorente) von 70 Prozent des letzten (hochgerechneten) Nettoentgelts vor dem Renteneintritt.

Diesem Bedarf werden in einem zweiten Schritt die neu berechneten Rentenanwartschaften aus der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersversorgung gegenüber gestellt. Dabei dürfen zu zahlende Steuern und Krankenkassenbeiträge nicht vergessen werden.

Bei einem Nettogehalt von 96.000 Euro vor Rentenbeginn und Nettorenten von 55.200 Euro ergäbe sich aufgrund der Faustformel eine Versorgungslücke von 12.000 Euro pro Jahr bzw. 1.000 Euro pro Monat. (= 70 Prozent von 96.000 Euro minus 55.200 Euro).

Das erforderliche Vermögen, um diese Lücke zu schließen, hängt von den Annahmen für die Rendite der angelegten Gelder und der Lebenserwartung ab. Beispielsweise werden etwa 240.000 Euro bei einer Renditeerwartung von 2 Prozent pro Jahr nach Steuern für eine 25 Jahre lange Entnahme von monatlich 1.000 Euro benötigt.

Ein solcher langfristig zu verrentender Betrag sollte dabei über möglichst viele verschiedene Anlageklassen gestreut angelegt werden, um Ausfälle ausgleichen zu können. Teile dieser mittel- bis langfristig noch nicht benötigten Gelder sollten zur Erhöhung einer Renditechance aktienorientiert angelegt werden. Wie hoch dieser Aktienanteil gewählt werden kann, ist von der Risikobereitschaft des Betroffenen abhängig. Denn was nützt eine lukrative Anlage, wenn der Ruheständler bei Kursschwankungen um den Schlaf gebracht wird? Eine ausführliche Beratung und Simulation der Ergebnisse bei verschiedenen Renditen bietet die beste Entscheidungsgrundlage.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
www.fvp-gmbh.de