Ohne eine echte Partnerschaftlichkeit kann die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karriere nicht gelebt werden. Nicht nur bezogen auf den Lebenspartner, sondern auch auf das Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Aber wie beeinflusst das Arbeitsumfeld die Aushandlungsprozesse in Familien? Was erwarten Eltern von ihren Vorgesetzten, wenn es um die Aufteilung von beruflichen und familiären Aufgaben geht? Dies ist das große Thema einer neuen Studie der Expertencommunity „Families@Work“.

Befragt wurden rund 900 berufstätige Eltern in Deutschland. Die Umfrageteilnehmer haben angegeben, in einer Partnerschaft auf Augenhöhe zu leben. Auf die Frage, was Menschen mit Kindern von ihren Führungskräften erwarten, herrscht bei Männern und Frauen Einigkeit: 65 beziehungsweise 64 Prozent wünschen sich, dass Familie nicht mehr als Störfaktor gesehen wird.

Auch die Wertschätzung der eigenen Situation und des Einsatzes ist für Eltern zentral. 44 Prozent der Väter gaben zudem an, dass sie sich mehr Offenheit ihrer Vorgesetzten für eine partnerschaftliche Aufteilung der Elternzeit wünschen – also weg von der Zweimonatselternzeit und hin zu einer gleichen Aufteilung zwischen den Partnern. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle bei den Vätern nach wie vor groß, mehr als zwei Monate Elternzeit zu nehmen: Rund 45 Prozent der Befragten haben Angst vor den Konsequenzen.

Ein Grund dafür könnte in fehlenden Vorbildern im Unternehmen liegen. So gaben nur zwei Prozent der Männer an, sich beim Thema Vereinbarkeit an männlichen Führungskräften orientieren zu können. Auch den eigenen Vater nannten gerade einmal neun Prozent. Mit 60 Prozent orientiert sich der Großteil der befragten Männer an der eigenen Partnerin. Die Hälfte der Männer zeigt sich grundsätzlich offen für sämtliche Möglichkeiten der Elternzeitaufteilung. Bemerkenswert ist die Tatsache vor allem deshalb, weil 40 Prozent der männlichen Umfrageteilnehmer selbst in leitenden Positionen tätig sind.

Flexibel arbeiten mit Kind

Was würde Eltern am meisten helfen? In Bezug auf ihr Arbeitsumfeld sind dies vor allem flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit einer flexiblen Kinderbetreuung. Hier bieten sogenannte „Coworking Spaces“ einen interessanten Ansatz: Unternehmensübergreifend stellen diese Spaces Arbeitsplätze und die notwendige Infrastruktur zeitlich befristet zur Verfügung und ermöglichen die Bildung einer Gemeinschaft. Durch die Nutzung von Coworking-Modellen können auch Führungskräfte ihrer Vorbildrolle besser gerecht werden.

Wie das Coworking-Prinzip in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt beispielsweise das Getränkeunternehmen Coca-Cola Company mit der Initiative „Flexibel arbeiten mit Kind“. Das Unternehmen hat eine Kooperation mit dem Berliner Coworking Space „juggleHUB“ geschlossen: Bei Bedarf können Mitarbeiter nicht nur Arbeitsplätze und die komplette Büroinfrastruktur des Spaces, sondern auch die flexible Kinderbetreuung vor Ort nutzen. Besonders bei Kitaschließzeiten wird das Angebot gern genutzt.

Als Pilotprojekt im April 2017 gestartet, hat Coca-Cola die Zusammenarbeit bis auf Weiteres verlängert. „Den Mitarbeitern ist die Erleichterung regelrecht ins Gesicht geschrieben, wenn sie bei uns durch die Tür kommen“, erklärt juggleHUB-Mitgründerin Katja Thiede. „Genau das wollten wir erreichen: Einen Ort schaffen, der Eltern den Druck nimmt und an dem sie Arbeit und Familie ganz entspannt kombinieren können.“

Weitere Informationen finden Unternehmen, die sich für ein Coworking-Pilotprojekt interessieren, unter www.jugglehub.de/unternehmen. Ansprechpartnerin ist Katja Thiede. Details zur Families@Work-Studie können unter info@familiesatwork.de angefragt werden. Ansprechpartner ist Volker Baisch.