Gerade in der Extremsituation einer umfassenden Krise werden Anlageentscheidungen durch Angst oder Gier getrieben. Diese Emotionen und das Bauchgefühl sind menschlich. Bei der Geldanlage können Emotionen jedoch zu systematischen Fehlern führen, erläutert Marion Lamberty, Geschäftsführende Gesellschafterin des VAA-Kooperationspartners FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.

Die beiden wichtigsten emotionalen Fallstricke, die sich besonders negativ auf den langfristigen Anlageerfolg auswirken können, sind der Wunsch, den exakt richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg und den Wiedereinstieg zu treffen („Markt-Timing“) sowie die Orientierung an der kurzfristigen Vergangenheit („Rückspiegel-Investments“). Bei „Rückspiegel-Investments“ tun wir heute das, was wir vor der Krise hätten tun sollen, statt das zu tun, was wir uns in einigen Jahren wünschen werden, heute getan zu haben. Wenig tröstlich ist dabei, dass nicht nur Privatanleger, sondern auch Profis durch Emotionen verführt werden, die Krise im Portfolio zu verstärken statt antizyklisch zu reagieren.

Die ursprüngliche Anlageidee verfolgen

Um zu verhindern, dass Emotionen den Anlageerfolg beeinträchtigen, ist es zunächst wichtig, eine langfristige Perspektive zu haben und die einmal festgelegte Strategie auch in schwierigen Marktphasen konsequent zu verfolgen. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind dabei eine möglichst breite Streuung über verschiedene Anlageklassen (Portfoliokonstruktion) und ein disziplinierter, antizyklischer Investmentansatz (Risikomanagement). Niemand weiß, wann an den Finanzmärkten der Boden in der aktuellen Krise erreicht ist und wann genau die Erholungsrallye einsetzt. Um in Krisen durchzuhalten, ist es hilfreich, gedanklich bereits auf größere Turbulenzen an den Märkten vorbereitet zu sein.

Fester Bestandteil einer langfristigen Strategie sollte deshalb ein bereits vorgefasster Plan sein, bei abrupten Kursverlusten von wie zuletzt über 30 Prozent an den Aktienmärkten antizyklisch den offensiven Teil der Anlagen schrittweise zu erhöhen und den defensiven entsprechend zu verringern (aktives Rebalancing). Außerdem sollte klar sein, dass jede disziplinierte Anlagestrategie im Laufe eines vollständigen Börsenzyklus (von Hoch zu Hoch beziehungsweise Tief zu Tief) temporär auch schwierige Phasen durchläuft, in denen sie schlechter als der Marktdurchschnitt abschneidet. Eine Erkenntnis, die in den letzten elf Jahren steigender Vermögenswerte etwas in den Hintergrund geraten ist.

Was uns bei der Geldanlage auch durch die jüngsten Rettungspakete in Milliardenhöhe weiter begleiten wird ist die Tatsache, dass die massiven Eingriffe der Notenbanken und der Regierungen das Geschehen an den Börsen prägen werden. Aktive und am besten durch vorherige Krisen bereits erfahrene Fondsmanager können gerade in dem aktuell eher ineffizienten Marktumfeld hohen Nutzen erzielen.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
www.fvp-gmbh.de