Nachhaltige Zukunft für Chemie und Pharma
In Europa steht die Chemie- und Pharmaindustrie unter Druck. Ein Lösungsansatz für eine starke europäische Wirtschaft heißt Innovation, Nachhaltigkeit, Zukunftsorientierung. Kurz gesagt: Transformation. „Je unvorhersehbarer die Welt wird, desto relevanter wird der Soziale Dialog“, so Dr. Roland Fornika (im Bild). Der Soziale Dialog stelle sicher, dass die Transformation mit den Menschen gestaltet wird und nicht ohne sie. Auf der JusTransLEAD-Konferenz des Just-Transition-Leadership-Projekts Anfang März 2026 in Málaga ist das VAA-Vorstandsmitglied zum Präsidenten des Europäischen Verbands der Führungskräfte der chemischen Industrie FECCIA gewählt worden.
Bei der Konferenz kamen über hundert Führungskräfte zusammen, um sich über das Projekt zu informieren, Impulse aus Politik und Wissenschaft zu hören und von Unternehmen zu lernen, die bereits erfolgreich Ansätze für eine „Just Transition“, zu Deutsch „gerechter Übergang“ in eine nachhaltigere Wirtschaft, umgesetzt haben. Für den Deutschen Führungskräfteverband ULA waren Michael Schweizer und Insa Wiese vor Ort.
Die Europäische Kommission unterstützt seit einigen Jahren die „Just Transition“ – mit finanziellen Mitteln, aber auch mit Aktionsplänen, Empfehlungen und Verordnungen wie dem Green Deal. Diana Crumpana aus der Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Inklusion bestätigte die zentrale Rolle des Sozialen Dialogs für die Transformation. Ob die EU-Gelder auch dort ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden, untersucht Prof. Marcos Fernández-Gutiérrez vom europäischen Wissenshub Green Paths. In Málaga stellte er Fallbeispiele und Forschungsergebnisse vor und verwies auf die großen Summen, die von der EU für den gerechten Übergang bereitgestellt werden: eine Trillion Euro allein für den European Green Deal. Seine Analysen zeigen jedoch, dass nicht immer die besonders vulnerablen Regionen die meiste finanzielle Unterstützung erhalten. Dennis Radtke, Mitglied des Europäischen Parlaments, bestätigt die Notwendigkeit dieses Praxisbezugs: „Wir treffen politische Entscheidungen nicht unter Laborbedingungen, sondern müssen uns der Realität anpassen.“
Praxisnah sollen auch die Ergebnisse des Projekts sein. Seit zwei Jahren arbeiten die FECCIA und die Europäischen Chemie-Arbeitgeber ECEG gemeinsam mit der dänischen Führungskräfteorganisation Lederne am Projekt unter der Leitung von Anders Koch Hess (Lederne). Ihr Ziel: Just Transition in die Praxis bringen – mit einem Best-Practice-Leitfaden, einem „Werkzeugkasten“ für Führungskräfte sowie einer gemeinsamen Strategie für Arbeitgeber und Führungskräfte. Damit ein gerechter Übergang zu mehr Nachhaltigkeit funktioniert, muss er in Unternehmen umgesetzt werden. Entwickelt von Dr. Tale Skjølsvik, Professorin an der Oslo Metropolitan University, basiert der Werkzeugkasten auf konkreten Bedarfen von Führungskräften, enthält Best-PracticeBeispiele und definiert relevante Fähigkeiten sowie Instrumente zur Umsetzung. Sechs Unternehmen, von der Erdöl- und Bauindustrie bis zu Agrar- und Pflegeprodukten, stellten bei der Konferenz ihre Best Practices vor. Die Unternehmen zeigten, wie sie ihre Geschäftsmodelle durch moderne Technologien und Innovationen nachhaltiger gestalten, Mitarbeitende durch Trainings und eine positive Unternehmenskultur in der Transformation begleiten und ihnen aktiv die Möglichkeit bieten, eigene Innovationsideen in die Praxis umzusetzen.
Die JustTransLEAD-Konferenz zeigte deutlich: Der Übergang der Industrie in eine nachhaltigere und gerechte Zukunft braucht vor allem Führung. Vieles ist bereits möglich und finanzielle Mittel sind vielfach vorhanden. Wer auf Innovation setzt, eine Unternehmenskultur fördert, in der neue Ideen wertgeschätzt werden, und klare, erreichbare Ziele setzt, schafft die Grundlage für einen gerechten Übergang. „Zukunftsfähige Führung bedeutet heute mehr denn je, Orientierung zu geben, Wandel aktiv zu gestalten und gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, fasst ULA-Hauptgeschäftsführer Michael Schweizer zusammen. „Deutschland hat seine Stärken in der Qualität und Systematik – ergänzt um mehr Tempo, Mut und europäische Vernetzung kann daraus echte Zukunftsfähigkeit entstehen.“


