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Pro & Contra: Aus für den Verbrenner 2035 – Fehler oder Chance?

Aktuelles, Pro & Contra, ULA-NA, ULA-NA 10/2024
© ULA

In der Automobilindustrie und darüber hinaus herrscht Besorgnis über die anhaltend hohe Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen und die stagnierenden oder rückläufigen Verkaufszahlen von Elektroautos. Sollte die Politik in der EU und in Deutschland ihre Ausstiegsziele vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen überdenken und anpassen? Wäre es sinnvoll, statt einer reinen Elektrostrategie eine technologieoffene Lösung in Betracht zu ziehen? Die ULA Nachrichten haben zwei führende Köpfe um ihre Einschätzung zu diesen Fragen gebeten.

Bernd Reuther ist Verkehrspolitischer Sprecher der FDP Bundestagsfraktion.

Foto: Maike Barbara Maier

Ein Verbrenneraus schadet dem Klima – und dem Wirtschaftsstandort Deutschland! Ginge es nach der EU, würden ab 2035 keine Verbrenner mehr verkauft werden. Dabei ist der Verbrenner gar nicht das Problem. Es sind die fossilen Kraftstoffe. Und deswegen ist ein schlichtes Verbot der falsche Ansatz. Stattdessen sollten wir jede Technologie und Form klimaneutraler Mobilität zulassen. Dazu gehört beispielsweise auch der Einsatz von sogenannten E-Fuels oder synthetischen Kraftstoffen, wie es als Ausnahmeregelung in Brüssel diskutiert wird. Am Ende wird sich herausstellen, welche Technologie sich durchsetzt. Die Bundesregierung verfolgt daher einen technologieoffenen Ansatz. Wir sind uns also bewusst, dass es auch im Jahr 2035 in Deutschland und weltweit Millionen von Fahrzeugen mit Verbrenner geben wird. Diese Fahrzeuge brauchen eine Perspektive, um künftig klimaneutral betrieben werden zu können. Daher hinterfragen immer mehr europäische Staaten das von der Kommissionspräsidentin von der Leyen (CDU) vorangetriebene Verbrenneraus. Folglich haben wir in Deutschland bereits die rechtliche Grundlage für den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen geschaffen. Wichtig ist nun, dass wir auch die Grundlage für einen großen europäischen Markt für synthetische Kraftstoffe schaffen. Schließlich dürfen uns die Arbeitsplätze als wichtigem Automobilstandort nicht egal sein. Diese werden wir allerdings nur halten können, wenn wir bewährten Technologien eine Chance geben, sich in einer klimaneutralen Welt zu behaupten.

Isabel Cademartori ist Verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Foto: Maurice Weiss

Mit der Entscheidung der EU für emissionsneutrale Mobilität ab 2035 leistet der Verkehrssektor seinen wichtigen und unabdingbaren Beitrag zur Erfüllung der Pariser Klimaziele. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verursachen circa 15 Prozent der CO2-Emissionen der EU. Eine Transformation dieses Sektors, weg von fossilen Brennstoffen, ist unumgänglich. Die CO2-Flottengrenzwerte und somit das Verbot vom Verkauf neuer Verbrenner ab 2035 sorgen hier für die nötige Planungssicherheit für Industrie und Verbraucher. Während die sehr knappen und im Straßenverkehr ineffizienten E-Fuels vorrangig im Luft-, See- und Fernlastverkehr in den Einsatz kommen können, soll ein Großteil der PKW klimafreundlich und elektrisch mit grünem Strom fahren. Ausnahmen für E-Fuels-only-Autos bieten hierbei die Möglichkeit zeitnah auf technologische Neuerungen reagieren zu können. Die Flottengrenzwerte werden bis 2035 regelmäßig überprüft und gegebenenfalls nachjustiert. Nun können die Unternehmen durch die nötige Planungssicherheit ihren Transformationspfad fortsetzen. Die deutsche und europäische Automobilindustrie muss ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunftstechnologie E-Mobilität stärken, sonst droht ihr endgültig die Deklassierung. Die Industrie ist herausgefordert, neue Kompetenzen aufzubauen. Als Politik unterstützen wir durch den Aufbau von Infrastruktur, der Setzung klarer Rahmenbedingungen, die Förderungen alternativer Antriebe und der Unterstützung bei der Umschulung der Mitarbeitenden. Damit kann Antriebswende zum Erfolgsprojekt werden.

26. September 2024
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