FAZ greift ULA-Stimmen zur Thematik sinkender Bereitschaft zur Übernahme einer Führungsrolle auf

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21.03.2026 – Im Jahr 2025 blieben laut dem Artikel 28.180 Stellen für Fachkräfte in leitenden Positionen offen. Die Gründe dafür sind vielfältig. In einem lesenwerten Artikel der F.A.Z. mit dem Titel „Chef werden? Nein danke!“ von Dr. Felicitas Witte werden die Ursachen näher beleuchtet.

Sie greift dabei eine Studie des Kompetenzzentrums KOFA auf, in der untersucht wurde, warum Beschäftigte nicht bereit wären, eine Führungsposition zu übernehmen. Dabei waren die drei meistgenannten Gründe die hohe Arbeitsbelastung (77%), die große Verantwortung (75%) und die Sorge um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (73%).

ULA-Präsident Roland Angst kommentiert diese Ergebnisse:

„Ich kann nachvollziehen, wenn der Gedanke an Führung abschreckt. Die Anforderungen sind umfangreicher geworden. Führungskräfte müssen heute mit technischen Entwicklungen Schritt
halten, das moderne Arbeitsumfeld mit schnellen, unvorhersehbaren und häufigen Veränderungen berücksichtigen und ihr Unternehmen in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit wettbewerbsfähig halten.“

Er betont, dass die Zurückhaltung bei der Übernahme einer Führungsrolle für ihn wenig mit mangelndem Engagement zu tun habe:

„Die Erwartungen haben sich verändert: Junge Paare wollen sich heute sowohl beruflich verwirklichen als auch Verantwortung für Familie und Kinder teilen. Auf diese Entwicklung
sollten Unternehmen reagieren.“

Im aktuellen Hernstein Management Report wird analysiert, wo Führungskräfte die größten Herausforderungen sehen.

Prof. Dr. Theresa Treffers (Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der ULA) wird dazu zitiert:

„Führungskräften bleibt zu wenig Zeit für echte, wertschaffende Tätigkeit. Sie werden überschüttet mit E-Mails, Meetings und Anrufen, von denen sie nicht wissen, wie wichtig sie sind und die sie daher mit gleicher Priorität abarbeiten. Weniger ist oft mehr. Braucht es wirklich dieses Meeting, diese Mail, diesen Anruf? Oder kann ich das auch selbst entscheiden?“

ULA-Vizepräsident Dr. Benjamin Koch berichtet in der F.A.Z. von seinen persönlichen Erfahrungen als Führungskraft:

„Ich fand zwar spannend, dass ich mehr machen durfte. Aber ich war mir bewusst, dass ich jetzt auch mehr Verantwortung hatte – das kann einen am Anfang stressen.

„Mich hat vor allem die Möglichkeit zum Gestalten gereizt, und ich wollte versuchen, besser zu führen als Führungskräfte, die ich vorher erlebt hatte.

„Schwierig kann einerseits das sich ständig ändernde Arbeitsumfeld sein, an das man sich anpassen und hierbei auch noch sein Team mitnehmen muss. Andererseits erwartet die Belegschaft immer mehr – sei es Geld oder Work-Life-Balance.”

Prof. Dr. Jürgen Weibler (Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der ULA) bringt seine Perspektive ebenfalls ein und weist auf mögliche Gründe hin, aus denen junge Menschen Führung nicht für erstrebenswert halten:

„Wird ihnen in Schule oder Uni keine Gelegenheit gegeben, mal ein Projekt oder eine Gruppe zu leiten, erleben sie im ersten Job, wie unzufrieden ihr Chef oder ihre Chefin mit der Führungsrolle ist, können sie Führung im Unternehmen nicht ausprobieren oder werden
sie in eine Führungsposition wie ins kalte Wasser geworfen, kann sich kaum
Lust darauf ausbilden.“

Der FAZ-Artikel ist in der Print-Ausgabe vom 21. März 2026 auf Seite 31 zu finden.