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Gastbeitrag: Max-Spohr-Preis 2026 – Wer die Weichen stellt, entscheidet, wer sichtbar bleibt

Aktuelles, Chancengleichheit & Vielfalt, Völklinger Kreis
Mario Andreya Fotografie

Von Prof. Manuela Rousseau, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Führungskräfteverband ULA

Am 17. April mache ich mich auf den Weg nach Frankfurt. Ein Zug der Deutsche Bahn verlässt Hamburg pünktlich. Freundliches Personal, ein Platz am Fenster. Ich lehne mich zurück und denke: Diese Reise ist mehr als eine Strecke von A nach B. Sie wird für mich eine Einladung, über Richtung nachzudenken. Über die Weichen, die wir stellen. Und über die Frage, ob wir manchmal – bewusst oder unbewusst – auch rückwärtsfahren.

Ich bin als Jurymitglied für den Max-Spohr-Preis 2026 unterwegs und trete die Nachfolge von Ludger Ramme an, der viele Jahre mit großer Klarheit Teil dieser Jury war. Gleichzeitig reise ich in meiner Funktion als wissenschaftliche Beirätin der ULA – Deutscher Führungskräfteverband – mit einem Kompass, der immer wieder neu justiert werden muss: Haltung.

Bei der Preisverleihung am Abend in den Türmen der Deutsche Bank wird deutlich, worum es geht. Sichtbarkeit ist kein Zwischenhalt. Sie ist die Strecke selbst. Sie ist Voraussetzung für Akzeptanz – und die Grundlage für Chancengleichheit. Ausgezeichnet wurden Initiativen, die nicht nur darüber sprechen, sondern handeln. Die Strukturen verändern. Die Kultur prägen. Die bereit sind, auch Gegenwind auszuhalten. Sie haben sich entschieden, sichtbar zu sein – als Unternehmen, als Institutionen, als Persönlichkeiten. Sie stellen Weichen nach vorn, während andere zögern.

Wir erleben gerade, wie manche Organisationen auf diesem Weg abbremsen. Programme werden zurückgefahren. Engagement wird leiser. Menschen ziehen sich zurück, steigen aus oder wagen sich gar nicht erst auf die Reise. Zu groß scheint das Risiko, sichtbar zu sein. Aber Führung heißt nicht, am Bahnsteig zu stehen und zuzusehen. Führung heißt, die Richtung mitzubestimmen. Vielfalt ist kein Randthema. Sie ist ein Gradmesser für die Qualität von Führung.

An diesem Abend begegne ich auch Michel Friedman – Publizist, Jurist, streitbarer Demokrat. Einer, der nie stehen bleibt, wenn es unbequem wird. Seine Worte sind kein Small Talk, sondern klare Wegweiser: Demokratie braucht Menschen, die sich zeigen. Die nicht anhalten, wenn Gegenwind aufkommt, sondern bewusst weitergehen. Er wurde mit dem Max Spohr Sonderpreis für Haltung ausgezeichnet.

Während ich den Laudator*innen zuhöre, wird mir klar: Nicht nur sie dürfen den Dank an die Preisträger*innen aussprechen. Wir alle müssen es tun. Dank für Standfestigkeit. Für den Mut, nicht auszusteigen. Für Bereitschaft, den Zug in die richtige Richtung zu lenken – auch wenn es anstrengend wird. Der Max-Spohr-Preis ist ein Zeichen dieses Dankes. Aber er ist auch ein Auftrag für uns als Führungskräfte. Bleiben wir stehen? Fahren wir rückwärts? Oder haben wir den Mut, die Weichen neu zu stellen?

Organisationen wie der Berufsverband VK e. V. – und auch die Arbeit im wissenschaftlichen Beirat der ULA – leben davon, dass wir uns entscheiden, Teil der Bewegung zu sein. Nicht nur mitzufahren, sondern Verantwortung für die Strecke zu übernehmen.

Doch wer war eigentlich Max Spohr?Um was geht es beim Max-Spohr-Preis 2026?
Max Spohr war ein deutscher Verleger und einer der frühen Vorkämpfer für die Rechte homosexueller Menschen – lange bevor es dafür gesellschaftliche Akzeptanz gab. Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichte er Schriften, die sich für die Entkriminalisierung und Anerkennung von Homosexualität einsetzten. Dafür wurde er mehrfach juristisch verfolgt und verurteilt.Der Max-Spohr-Preis wird vom Berufsverband VK e. V. verliehen und würdigt Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Vielfalt, Chancengleichheit und die Rechte von LSBTIQ+-Menschen einsetzen. Im Kern geht es um eines: Sichtbarkeit schaffen – dort, wo sie fehlt, und sie verteidigen, wo sie unter Druck gerät.
30. April 2026
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