Gastbeitrag: Führung im KI-Zeitalter – Eine systemische Perspektive auf Organisation, Technologie und Mensch
Von Prof. Dr. Theresa Treffers, TUM School of Management und Privatuniversität Schloss Seeburg
Generative Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten Themen für Unternehmen und Führungskräfte. Nach anfänglichen Versuchen und Use Case Testungen, bleibt die Frage jedoch häufig offen, wie KI zu echter Wertsteigerung führen kann. Während einige Unternehmen KI schon tiefgreifend und umfassend integriert haben in Strukturen und Prozesse, sog. „AI-native Organisations“, stehen andere Unternehmen noch vor der Herausforderung, den KI Einsatz über gelungene Use Cases hinaus zu skalieren. Wie können Unternehmen KI so einsetzen, dass sie echte Wertschöpfung generiert? Dafür braucht es einen anspruchsvollen systemischen Dreiklang aus Organisation, Technologie und Mensch.
KI Einsatz in Strukturen, Prozessen und Aufgaben
KI wird in Organisationen zu echter Wertsteigerungen führen, wenn Strukturen, Prozesse und Aufgaben richtig aufgesetzt sind. Ähnlich wie bei der digitalen Transformation, in der Digitalisierung nicht zu Wertsteigerung führt, wenn offline Prozesse 1:1 in online Prozesse überführt werden, wird KI nicht zu Wertsteigerung führen, wenn KI auf bestehende, oft zu komplizierte und ungenau definierte, Prozesse aufgesetzt wird. Das bedeutet für Unternehmen und Führungskräfte, dass sie zunächst Strukturen, Prozesse und Aufgaben transparent abbilden und diese kritisch prüfen müssen bevor sie auf Basis der Gewinn- und Verlustrechnung und entscheiden, wie sie verändert oder neu aufgesetzt werden müssen, um KI darin wirksam einsetzen zu können.
Generative KI, Agentische KI und KI-Agenten
Während die Anfänge des generativen KI-Zeitalters stark von Sprachmodellen wie ChatGPT geprägt waren, gehen die aktuellen Entwicklung hin zu agentischer KI, d.h. die Fähigkeit, dass KI autonom handelt, und zum Einsatz von KI-Agenten wie z.B. Microsoft Copilot. Die Zukunft der Arbeit, Zusammenarbeit und Führung wird in anspruchsvollen Multi-Agenten-Systemen liegen. Für eine erfolgreiche Umsetzung müssen dafür ebenfalls Strukturen, Prozesse und Aufgaben klar definiert und abgebildet werden. Es empfiehlt sich eine Agenten-Architektur, die planen, generieren und bewerten. Der Bewerter bewertet das Ergebnis des Generator iterativ bis die Qualität ausreichend ist. Der Orchestrator (Agent oder KI) plant und orchestriert die Zusammenarbeit der einzelnen Agenten.
Human-in-the-loop erfordert Reskilling
Aktuell besteht eine große Kluft zwischen dem, was KI leisten kann und wie sie tatsächlich in Unternehmen genutzt wird. Die technologischen Entwicklungen überholen die Akzeptanz und Vorstellungskraft der Menschen. Human-in-the-loop wird als wünschenswertes Konzept herangezogen, umgesetzt werden jedoch häufiger Konzepte wie AI-in-the-loop oder AI-in-the-process. Um Human-in-the-loop tatsächlich zu realisieren, müssen Mitarbeitende und Führungskräfte in die nächste Phase des KI-Einsatzes eintreten, indem sie Aufgaben – und auch ganze Prozesse – mit hoher Verlässlichkeit an agentische KI übertragen.
Mit der agentischen Delegation werden andere Kompetenzen von Mitarbeitenden und Führungskräften wichtig. Das sog. Reskilling fokussiert auf Kompetenzen wie kritisches Denken, Kontextkenntnis, systemische Überlegungen, tazites Wissen und auf ein Verständnis davon, wie ein gutes und ein exzellentes Ergebnis aussieht. Ohne Fokus auf diese Kompetenzen entstehen keine besseren Ergebnisse und keine Wertsteigerung mit KI in Unternehmen, sondern lediglich der produktivitätsschädliche „Workslop“ (= automatisch erzeugte Arbeit, die zwar schnell produziert wird, aber wenig echte Substanz oder Qualität hat).
— Artikel zu 100 % von einem Menschen verfasst —

Astrid Eckart – TUM
Carsten Sander (FernUniversität)