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Zukunft mitgestalten: VAA schärft Positionen

Aktuelles, Führung & Leadership, VAA
Banner VAA Führungskräfte Chemie
© VAA

Als Akademikergewerkschaft und Deutschlands größter Führungskräfteverband ist der VAA schon immer ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur gewesen. Doch um seine Durchschlagskraft langfristig auszubauen, muss der Verband noch deutlicher als bisher Stellung zu zentralen Zukunftsthemen beziehen. Deshalb hat der Führungskreis des Verbandes die VAA-Positionen überarbeitet und präzisiert: von der Arbeitszeit und den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt über das Entgelt bis hin zum lebensphasenorientierten Arbeiten und zum mobilen Arbeiten. Im Interview mit dem VAA Newsletter erläutern der 1. Vorsitzende des VAA Rainer Nachtrab und VAA-Hauptgeschäftsführer Gerhard Kronisch nun die Hintergründe.

VAA Newsletter: Eine provokante Frage vorweg: Wieso geht der VAA gerade jetzt mit seinen überarbeiteten Positionen in die Offensive? Waren die bisherigen denn so falsch oder so veraltet?

Nachtrab: Ganz klares Nein! Der VAA hat schon immer klar Position zu wichtigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen bezogen. Von der Energiewende über die Bildungspolitik bis zur Einwanderung haben wir uns bisher stets geäußert. Da brauchen Sie sich bloß einmal die lange Liste der Pressemitteilungen und unserer Medienzitate in den letzten Jahren anzusehen. Dabei haben wir als Akademiker und Führungskräfte in der chemisch-pharmazeutischen Industrie nie den offenen Diskurs mit unseren Partnern in Politik und Wirtschaft gescheut. Worum es uns im Führungskreis des Verbandes geht, ist die Präzisierung unserer Positionen und deren verständliche Aufbereitung.

Kronisch: Das ist richtig. Wir haben versucht, das weite Themenfeld gründlich zu beackern und dabei die Spreu vom Weizen zu trennen, um einmal in der Bildsprache zu bleiben. Konkret haben wir die Themen herausgefiltert, die mit Blick auf die Zukunft sowohl der Gesellschaft als auch der Arbeitswelt einen konkreten Bezug zum Lebens- und Arbeitsumfeld unserer Mitglieder haben. Mit unseren aktuellen Positionen stellen wir all das in gebündelter Form dar, was der Verband zu sagen hat – in aller Kürze und Prägnanz.

VAA Newsletter: Verstanden. Was verbindet die einzelnen Positionen noch miteinander außer der unmittelbaren Relevanz für das Arbeitsleben der VAA-Mitglieder?

Kronisch: Es gibt natürlich einen gemeinsamen Beziehungszusammenhang und eine gemeinsame Wirkungsrichtung. Alle VAA-Positionen lassen sich unter dem Credo der Förderung der Leistungsbereitschaft der Fach- und Führungskräfte zusammenfassen. Denn Leistung – und unsere Mitglieder bringen tatsächlich und tagtäglich Spitzenleistungen für ihre jeweiligen Unternehmen – kann man auf Dauer nur dann erfolgreich erbringen, wenn die Rahmenbedingungen im Arbeits- und Lebensumfeld stimmen. Hier tritt der VAA ganz klar als Anwalt der Arbeitnehmer auf: Nur wenn die Arbeitsbedingungen stimmen, können unsere Mitglieder auch etwas leisten.

Nachtrab: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Unsere Mitgliedschaft ist sehr divers – wir haben Forscher, Experten, Manager, Führungskräfte, aber auch Berufseinsteiger und hoch qualifizierte Fachkräfte in unseren Reihen. Sie alle sind echte Leistungsträger. Sie alle sorgen dafür, dass die Chemie- und Pharmaunternehmen am Standort Deutschland international konkurrenzfähig sind. Und mit der Durchsetzung unserer Positionen sorgen wir dafür, dass dies auch so bleibt.

VAA Newsletter: Der VAA hat bislang sechs Positionen formuliert. Fangen wir – der Einfachheit halber alphabetisch – mit der ersten Position zur Arbeitszeit an: Was hat sich in den letzten Jahren geändert, dass der VAA nun genau dazu eine Position veröffentlicht?

Nachtrab: Arbeitszeit ist schon immer wichtig gewesen. Aber zu einer echten Schlüsselfrage in der modernen Arbeitswelt ist sie durch den Megatrend der Digitalisierung geworden. Dieses Thema geht Hand in Hand mit dem mobilen Arbeiten und dem lebensphasenorientierten Arbeiten. Auch dazu haben wir jeweils eine Position. Vor dem Hintergrund der Arbeitszeitsouveränität von außertariflichen und leitenden Angestellten ist dieser Themenkomplex ganz entscheidend für die strategische Ausrichtung des VAA als Interessenvertretung für Arbeitnehmer. Arbeitszeit ist ein Thema, das uns auch mit am deutlichsten von tariflichen Arbeitnehmern unterscheidet. AT-Mitarbeiter und Leitende fallen nun einmal viel stärker in den Bereich der praktizierten Vertrauensarbeitszeit. Mit zunehmender Arbeitsverdichtung durch digitale Tools gerät gerade hier vieles in Bewegung – nicht immer zum Besseren, was nachgewiesenermaßen zu einer höheren Arbeitsbelastung bei vielen unserer Mitglieder führt.

VAA Newsletter: Welche Maßnahmen zur erfolgreichen Umsetzung seiner Position wird der VAA denn ergreifen?

Kronisch: Da gibt es eine ganze Reihe: Wir wollen mehr Möglichkeiten zur Umstellung auf mobiles Arbeiten ausloten – und zwar unter umfassender Einbeziehung von Betriebsräten und Sprecherausschüssen. Es müssen klare Regelungen geschaffen werden, wer wann und wo mobil arbeitet – auch für Führungskräfte. Wir werden uns als VAA in den betrieblichen Gremien dafür einsetzen, Arbeitszeitwünsche in den Unternehmen systematisch zu erfassen und regelmäßig zu evaluieren.

Nachtrab: Dazu gehört natürlich auch, dass Betriebsräte und Sprecherausschüsse genau darauf schauen müssen, dass angemessene Ruhe- und Erholungsphasen nicht nur gewährt, sondern auch genommen werden. Hier müssen sich unsere Mitglieder zum Teil an die eigene Nase fassen und sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst werden. Und wenn sie sich dessen bewusst sind, sollten sie auch möglichst danach handeln. Dafür sind unsere Positionen ebenfalls gedacht, dass man sich die Sachverhalte einmal vor Augen führt.

Kronisch: Insgesamt können wir als Verband nur von schärfer formulierten Positionen profitieren. Denn so schaffen wir es, mehr Mitglieder für ehrenamtliches Engagement zu mobilisieren und zu begeistern. Dadurch erhöhen wir gleichzeitig unsere Sichtbarkeit und verstärken unsere gestalterische Wirkung – sowohl in den Unternehmen als auch in der Gesellschaft.

22. Februar 2019
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