Im Rahmen der Kooperation zwischen ULA und Leadership Insiders empfehlen wir Ihnen die Lektüre eines neuen, kompakten Beitrags von Prof. Jürgen Weibler zum Thema “Outdoor Leadership Trainings – Führungskompetenz durch Selbsterfahrung?.”

Sailing, Climbing, Rafting? Oder doch nur der aus der Jugend vertraute Seilgarten? In der Führungskräfteentwicklung werden zunehmend Formate gesucht, die der belehrenden, frontalen Vermittlung von Inhalten etwas entgegensetzen. Aktives Tun in einem ursprünglichen Umfeld heißt die Alternative. Zurück zu den evolutionären Wurzeln. Auch die Zukunft der Führung braucht Herkunft. Outdoor Leadership Development Trainings versprechen dies. Erfahrungen alleine oder im Team, deren Reflexion, verbunden mit sich (erhofft) anschließenden Generalisierungsprozessen, sollen Naturerlebnisse in Führungskompetenz überführen. Leadership Insiders bilanziert, welcher Impact jenseits des Entertainments bislang nachzuweisen ist.

Hintergrund der Outdoor-Philosophie

Den Hintergrund der Outdoor-Philosophie formulierte Kurt Hahn, der Begründer der Erlebnispädagogik, im unteren Sinne:

Menschen sollen sich viel mehr auf ihre eigenen inneren Ressourcen verlassen, um ihr Potential zu entfalten. Dabei bietet die Natur einen Katalysator, der Wandel ebenso wie Selbstwahrnehmung und ein Verständnis für andere befördert.

Seine erlebnispädagogischen Überlegungen führten zu der sog. „Outward-Bound“- Bewegung der 1950er Jahre. Erste Ansätze der Übertragung in die Personalentwicklung fanden in den 1970er Jahren statt. Ganz neu war das Schöpfen von Kraft aus der Natur dennoch nicht: Man denke nur an den britischen General Robert Baden-Powell und sein erstes Pfadfinderlager in 1907, in dem das Lernen durch Tun in kleinen Gruppen Programm war, ganz zu schweigen vom Reformpädagogen und politischen Theoretiker Jean-Jaques Rousseau, der im 18. Jh. bereits den Naturzustand als den dem Menschen ursprünglichen beschrieb.

Was ist ein Outdoor Leadership Training?

Ein Outdoor Training ist eine handlungsorientierte Form des Lernens, das im Wesentlichen „unter freiem Himmel‘ stattfindet. Ziel ist bei der Ausrichtung auf Leadership der Erwerb oder die Festigung von Führungskompetenzen.

Eine Kompetenz ist idealerweise ein Vermögen, Tun auf Wissen zu basieren, das Gewusste kontextsensitiv zu gestalten, auch fortzuentwickeln, und diesen Prozess in der Praxis zu reflektieren.

Für Führungskräfte werden im Rahmen eines Outdoor Leadership Development Trainings beispielsweise folgende Wirkungen auf die allgemeine Führungskompetenz benannt: Die situationsspezifische Anpassung des Führungsstiles, die effektive Nutzung von Kommunikationskanälen, die treffsichere Entscheidungsfindung unter Zeitdruck (Priest/Gass 2018).

Neben der Bezeichnung als Outdoor Leadership Training finden sich auch Begrifflichkeiten wie das „Erfahrungs- und erlebnisorientierte Training“, das „Outdoor Management Training“, das „Outdoor Management Development“, „Outdoor Development Training“ oder das „Outdoor-based Experiential Training“.

Die Briten Dominic Irvine und John Wilson fassten die konstitutiven Elemente des Outdoor Leadership Development Trainings anschaulich zusammen.

  • Das Training sollte in einer Umwelt stattfinden, die neu für die Teilnehmer ist, und idealerweise neue Aktivitäten.
  • Die Teilnehmer sollten dazu ermutigt werden, psychologische Risiken einzugehen und über Erfahrungslernen zu bewältigen. „Echte“ Gefahren sind dabei nicht gegeben, lediglich wahrgenommene psychologische Risiken sind einzugehen.
  • Die Aktivitäten, aus denen ein Outdoor Leadership Development Training besteht, sollten so gewählt sein, dass das Ausmaß der Herausforderung den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmer entspricht.
  • Die Aktivitäten des Trainings sollen idealerweise das Arbeitsumfeldreflektieren.
  • Die Aktivitäten sollen eher Management- bzw. Führungsfähigkeiten stärken, statt aufgabenspezifische Fähigkeiten zu fördern.
  • Die Reflexion des Gesamtprozesses ist zwingend erforderlich, um die gewünschten Resultate zu erzielen und den Transfer auf den Arbeitskontext zu realisieren.

Outdoor Leadership Trainings kreisen direkt oder  indirekt um Alltagsprobleme einer Führungskraft.  Zentrale Annahme ist, dass Wachstum erst durch Erfahrung entsteht. Die Besonderheit liegt darin, dies einerseits in einem Setting zu tun, das die Natur zum Raum der Problembewältigung definiert und andererseits dieser Problembewältigung keine Vorsteuerung durch z.B. formale Hierarchien beifügt. Evolutionspsychologisch gesehen sollen natürlich entstehende Formen der Führung und Zusammenarbeit  angeregt werden. Neurowissenschaftlich formuliert werden dadurch Gehirnregionen aktiviert, die im normalen Büroalltag zwar abstrakt eine sehr wichtige Rolle spielen, aber keine körperliche Entsprechung mehr erfahren wie beispielsweise die Koordination.

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