Druck auf Führungskräfte steigt weiter
Schlechte Nachrichten für Fach- und Führungskräfte hat der politische Endspurt vor der Sommerpause gebracht: Der Kündigungsschutz soll für Hochverdienende aufgeweicht werden, gleichzeitig wird die Beitragslast ab 2027 weiter steigen.
Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses von CDU, CSU und SPD am 1. Juli 2026 sehen unter anderem eine Aufweichung des Kündigungsschutzes für Beschäftigte mit höheren Einkommen vor. Schon ab einem Einkommen von dem 1,75-fachen der Beitragsbemessungsgrenze sollen Arbeitsverhältnisse künftig gegen Abfindung gerichtlich aufgelöst werden können. Das würde auch viele Fach- und Führungskräfte betreffen. Die ULA hat sich deshalb in einem offenen Brief an den Bundeskanzler und die federführenden Bundesministerinnen gewandt.
Mit der Aufweichung des Kündigungsschutzes wollen die Koalitionsfraktionen die Wirtschaft beleben und Unternehmen Freiräume bieten. Doch diese Argumentation greift zu kurz, denn wer Arbeitnehmerrechte für einen vermeintlichen Wettbewerbsvorteil opfert, verkennt ihren Wert für einen starken Wirtschaftsstandort. Eine solche Regelung sei gerade für diejenigen, die in Unternehmen Verantwortung übernehmen und eine besondere Leistung erbringen, ein fatales Signal „Engagement, Leistung und die Übernahme von Verantwortung lohnen sich nicht“, erklärte ULA-Präsident Roland Angst kürzlich dem Handelsblatt. „Im Gegenteil, sie können sogar mit Nachteilen verbunden sein.“
Neben der Aufweichung des Kündigungsschutzes bringt die Bundesregierung zudem immer neue Mehrbelastungen auf den Weg, die gerade Fach- und Führungskräfte spüren werden. So wurde die Beitragsbemessungsgrenze in der Gesetzlichen Krankenversicherung in der letzten Sitzung des Deutschen Bundestags vor der Sommerpause im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes zusätzlich zur regulären Erhöhung weiter angehoben. Entgegen den Empfehlungen ihrer eigens eingesetzten Kommission hat die Bundesregierung damit Fakten geschaffen, welche die Mehrbelastung von Fach- und Führungskräften für die Zukunft fortschreiben – und das, obwohl die Vorschläge für eine langfristige Reform des Gesundheitssystems weiter ausstehen.
Mit dieser Mehrbelastung riskiert die Bundesregierung zudem eine Erosion der gesellschaftlichen Akzeptanz für echte Reformen. Denn auch Reformen mit nachhaltiger Wirkung kosten Geld. Das zeigen beispielsweise die Vorschläge der Alterssicherungskommission. Doch genau diese Akzeptanz braucht es, wenn notwendige und überfällige Reformen endlich umgesetzt werden sollen.
Weiterführende Informationen
Die Kampagnenseite der ULA gegen eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze findet sich hier.
Der Offenen Brief zum Kündigungsschutz findet sich hier.



ULA / Jens Schicke