Im Rahmen der Kooperation zwischen ULA und Leadership Insiders empfehlen wir Ihnen die Lektüre eines neuen, kompakten Beitrags von Prof. Jürgen Weibler zum Thema “Sabbaticals – Eine Studie zum Change der etwas anderen Art.”

Einmal aus dem Beruf aussteigen? Träume realisieren, Kräfte sammeln, neue Wege finden? Gedanken und Wünsche, die wohl fast jeder kennen dürfte. Ein Sabbatical kann dies ermöglichen. Und immerhin: Während 2008 lediglich 3 % der Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Sabbatical angeboten hatten, waren es 2012 bereits 10 % – dennoch wird der Bedarf nicht gedeckt. Aktuelle Befragungen deuten darauf hin, dass knapp die Hälfte eine Auszeit vom Job für sinnvoll hält. Angesichts der zunehmenden Beschleunigung des Arbeitslebens, der wachsenden Sensibilität für eine bessere Work-Life-Balance und einem teilweise deutlich veränderten Karriereverständnis dürfte sich die Einschätzung eher noch erhöhen. Leadership Insiders legt nun eine eigene Studie zur Erfahrung mit Sabbaticals vor.

Was ist ein Sabbatical?

Das Sabbatical beschreibt – obwohl es gemeinhin für eine vorab definierte Auszeit von der Arbeit steht – ein Arbeitszeitmodell. Dem Arbeitnehmer wird die Möglichkeit gegeben, für eine gewisse, durchaus auch längere Zeit befristet aus dem Beruf auszusteigen. Nach einer vorab definierten Zeit des Sabbaticals kehrt er wieder an den Arbeitsplatz zurück.

Das Wort „Sabbatical“ kommt aus dem Hebräischen und steht dort für einen Ruhetag (den Sabbat) und damit für ein „Innehalten“ bzw. „Mit-Etwas-Aufhören“. In der Fortführung einer Auszeit vom Beruf wurde das Sabbatical zunächst im Hochschulbereich gepflegt, um Professorinnen und Professoren die Möglichkeit zu geben, sich der Forschung ohne Lehrverpflichtung widmen zu können. Erstmals wurden Sabbaticals an der Harvard Universität im Jahr 1880 angeboten. Sie ermöglichten den Professoren dort bei halber Bezahlung alle sieben Jahre ein Sabbatical einzulegen. Erst viel später entdeckte die Wirtschaft das Konzept für sich. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Auszeit existiert jedoch nicht.

Sabbatical-Modelle

Sabbaticals sind generell den Work-Life-Balance-Maßnahmen und im Speziellen den flexiblen Arbeitszeitmodellen zuzuordnen. Die Dauer und das konkrete Modell inklusive der genauen Konditionen sind vom Unternehmen und dem zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschlossenen Vertrag abhängig.

Zwei Beispiele sind das Teilzeit- und das Ansparmodell bzw. Zeitwertkonten. Bei dem sog. Teilzeitmodell vereinbart der Arbeitnehmer einen Teilzeitvertrag, arbeitet jedoch Vollzeit weiter. Die übliche Arbeitsleistung wird damit geringer entlohnt und das „angesparte“ Gehalt wird anschließend während des Sabbaticals ausbezahlt oder anderweitig verrechnet. Bei dem sog. Ansparmodell auf Zeitwertkonten besteht die Möglichkeit, Überstunden, Urlaubstage, Teile des Gehaltes oder Sonderzahlungen zu sammeln und diese im Sabbatical in freie Tage umzuwandeln. Was angespart werden kann, muss im Vorfeld vom Unternehmen definiert und fixiert werden.

Im Alltags- wie Firmengebrauch zählen auch vom Arbeitgeber gewährte Sonderurlaube von mindestens vier Wochen Dauer oder unbezahlte längere Abwesenheiten nach einer bestimmten Zeit der Betriebszugehörigkeit mit Rückkehrgarantie hierzu. auch ist ein selbst angestrebter unbezahlter Urlaub hierzu zu zählen (finanziert durch Ersparnisse, Erbschaft etc.).

Wird in der Praxis nahezu alles, was eine mindestens vierwöchige Auszeit besitzt, gerne als Sabbatical bezeichnet, sollte eigentlich eine mindestens dreimonatige Auszeit zugrunde gelegt werden, um überhaupt das Eintreten spezifischer Wirkungen, die sich von längeren Urlauben unterscheiden lassen, zu ermöglichen. In diesem Sinne würde eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten (plus X) der Idee eines Sabbaticals wesentlich besser gerecht werden.

Erfahrungen mit Sabbaticals

Work-Life-Balance oder Arbeitszeitflexibilisierung sind in aller Munde und werden beständig beforscht. Sabbaticals haben jedoch trotz der steigenden Bedeutung deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen, sodass es zu diesem Themengebiet insgesamt nur wenige wissenschaftlich fundierte Studien gibt. Stattdessen lassen sich aber vielfältige Ratgeber und Erfahrungsberichte in Form von Büchern, Zeitungsartikel und sogar ganzen Internetseiten finden, auch eine Art des Ausdrucks von anhaltendem Interesse.

Wir haben uns deshalb entschlossen, eine eigene wissenschaftliche Studie auf Basis der Grounded Theory-Methode, einem qualitativen Forschungsansatz, der auf eine iterative Theorie-Praxis-Kombination setzt, durchzuführen. Nicht die Anzahl der hierzu Interviewten ist dabei entscheidend (es waren zehn), sondern deren Geeignetheit und Aussagefähigkeit mit Blick auf die Fragestellung. Einbezogen wurden Personen, die in ihrer Mehrheit eine 6 bis vor allem 12-monatige Auszeit nahmen. Die Teilnehmenden waren zwischen 30 und 45 Jahren alt, zu Zweidritteln männlich und arbeiteten nach ihrem Sabbatical gerade wieder oder schon wieder bis zu drei Jahren in ihrem Unternehmen.

Das Ziel  der  Studie war es besser zu verstehen, welche Motivationen zu einer Inanspruchnahme eines Sabbaticals führen. Dann zu erfahren, ob es verschiedene Erlebnisqualitäten im Zeitablauf gibt. Zudem noch, welche individuellen Veränderungen durch das Sabbatical wahrgenommen wurden und wie die Zeit nach dem Wiedereintritt in das Unternehmen verläuft.

Ein Sabbatical ist kein Zufall

Generell gilt, dass sich verschiedenste Motivationen für ein Sabbatical entwickeln und nur der Zeitpunkt der Umsetzung von der persönlichen, familiären und beruflichen Situation abhängig ist. Die Entscheidung für ein Sabbatical ist in der Regel das Resultat eines längeren Prozesses der Auseinandersetzung damit. Jedoch gibt es auch Schlüsselerlebnisse oder Probleme, die als spontaner Auslöser den Wunsch nach einer befristeten Auszeit anregen. Hierzu zähen Schicksalsschläge, plötzliche Sinnkrisen und Unzufriedenheit sowie akute Stressfolgen.

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