Mit rund 9,2 Milliarden Euro ist der Etat des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend für das Jahr 2017 so groß wie nie zuvor. Der entsprechende Einzelplan 17 befindet sich in erster Lesung im Bundestag. Im Einzelplan ist verankert, dass Familien zukünftig mehr Geld insbesondere für die Kinderbetreuung bekommen sollen. Geht es nach der Führungskräftevereinigung ULA, ist dies auch dringend notwendig.

Trotz zunehmender Digitalisierung ist es für viele Eltern immer noch schwer, Karriere und Familie miteinander zu vereinbaren. Für eine moderne Gesellschaft ist sowohl dieser unerfüllte Wunsch nach persönlicher wie beruflicher Weiterentwicklung als auch der steigende Fachkräftemangel ein Handlungsauftrag. Eine höhere Erwerbstätigkeitsquote bei Frauen wäre in der Lage, das Arbeitsvolumen und das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands deutlich zu erhöhen. Zahlreiche Studien deuten zudem einen Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit der Arbeitnehmer und gestiegener Produktivität an.

Für Beschäftigte sind bei der Vereinbarkeit weniger Karriereaspekte als vielmehr „Gestaltungsspielräume bei der Wahl der Arbeitszeit“ entscheidend für das Privat- beziehungsweise Familienleben. Das legt eine Studie der Berufundfamilie Service GmbH nahe. So ermögliche eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung und ein umfassendes Angebot der Kinderbetreuung Frauen und Männern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere.

Grund zur Zuversicht bietet der „Zukunftsreport Familie 2030“ der Prognos AG. Der Report hebt hervor, dass der Anteil der Unternehmen, die vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen anbieten, sich bis 2030 steigern wird. Dieser Befund ist wenig überraschend. Schließlich wird Familienfreundlichkeit ein zunehmend wichtigerer Wettbewerbsfaktor, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.  Insbesondere die Digitalisierung bietet Chancen bei der Umsetzung einer besseren Vereinbarkeit. Längst ist es kein Problem mehr von zu Hause im Homeoffice zu arbeiten. So arbeiten in Großbritannien etwa 25 Prozent und in Schweden sogar 33 Prozent der Arbeitnehmer gewöhnlich oder manchmal von zu Hause aus. In Deutschland liegt diese Zahl aktuell noch bei zwölf Prozent.

Mehr Flexibilität erfordert Wandel der Unternehmenskultur

Damit Eltern und allen voran Frauen nicht durchs Karriereraster fallen, wenn sie ein Kind bekommen, bedarf es eines Wandels der Unternehmenskultur. Etwa im Hinblick der täglichen Vollzeitpräsenz besteht Veränderungsbedarf in den Unternehmen. Dies fordert auch die Führungskräftevereinigung ULA. Tatsächlich wird immer noch mehr auf die Präsenz einzelner Mitarbeiter im Unternehmen geachtet anstatt zu schauen, wie der Output eines Mitarbeiters ist. Wahrscheinlich fehlt es in Deutschland aber auch noch an Vorbildern oder role models, die mit positivem Beispiel vorangehen und zeigen, dass man sich eben nicht für Familie oder Karriere entscheiden muss.

Nach Meinung der ULA könnte die im Herbst anstehende Entscheidung im Bundestag über den Etat im Einzelplan 17 für das Jahr 2017 ein guter Anfang für Familien sein.

Daneben ist aus Sicht der ULA noch weitere Unterstützung von der Politik notwendig. Unerlässlich auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Vereinbarkeit ist eine Familienpolitik, die den Ausbau und die Qualität der Kinderbetreuung fördert sowie Eltern in Elternzeit und im raschen Wiedereinstieg ins Berufsleben finanziell unterstützt. Letztendlich wird die Mischung aus staatlicher Unterstützung für Familien und individuellen, flexiblen Arbeitsmodelle und einer neuen Arbeitskultur entscheidend für eine gleichberechtigte Vereinbarung von Familie, Beruf und Karriere sein.

Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) Prof. Jutta Allmendinger betont hierzu, dass man in zehn Jahren das Hauptverdiener-Zuverdiener-Modell überwunden habe. Stattdessen werde die bezahlte und unbezahlte Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen annährend gleich aufgeteilt.

Dazu passend plant Bundesarbeitsministerin Nahles einen Gesetzesentwurf, der Eltern eine Rückkehr auf eine Vollzeitstelle erleichtern soll. Aus ihrer Sicht könnte dadurch der sogenannten „Teilzeitfalle“ begegnet werden. Bisher kann ein Arbeitnehmer nur die Reduzierung der Arbeitszeit in Deutschland (gesetzlich) verlangen.