Über Führen in Teilzeit wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Gemeinhin wird diese Form des Arbeitens und Führens als wünschens- und unterstützenswert angesehen. Auch mangelte es nie an interessanten Ideen für die Umsetzung dieses Modells. Dennoch handelt es sich bei „Teilzeitführung“ bis heute um ein Randphänomen – auf den ersten Blick. Denn durch die Digitalisierung sind Form und Inhalte der Erwerbsarbeit in Bewegung geraten. Könnte sich die Lage verstärkt verändern? Hoffnungsvoll stimmende Antworten liefert das Buch „Teilzeitführung“, herausgegeben von Anja Karlshaus und Boris Kaehler. Es versammelt achtzehn Fachbeiträge qualifizierter Experten aus Wissenschaft, Politik und Unternehmen, die unterschiedliche Facetten des Themas beleuchten.

Ein einführender empirischer Beitrag verdeutlicht: Führen in Teilzeit ist bis heute vorwiegend „Frauensache“. In absoluten Zahlen betrachtet steht Deutschland aber bereits im europäischen Mittelfeld. Ein weiterer Beitrag über flexible Arbeitsmodelle von Führungskräften stammt aus der Feder von Mitarbeitern der ULA-Mitgliedsorganisation EAF Berlin. Er verwertet Ergebnisse der in den ULA Nachrichten bereits 2016 vorgestellten Flexship-Studie, zu der das Manager-Monitor-Panel der ULA wichtige Daten geliefert hat.

Der Beitrag über die arbeitsrechtlichen Grundlagen sollte Führungskräfte mit Interesse an diesem Modell eigentlich ermutigen. Jüngere Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts stärkt nämlich den Anspruch von Arbeitnehmern auf eine Arbeitszeitreduzierung, auch in einer Position als leitende Angestellte. Die geringe Zahl von Urteilen deutet jedoch darauf hin, dass nur wenige Führungskräfte es im Konfliktfall auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen – die Lücke zwischen Wunsch und rechtlich möglicher sowie praktisch gestaltbarer Wirklichkeit ist also weiterhin groß.

Weitere Aufsätze widmen sich den notwendigen Kompetenzen und nützlichen Arbeitstechniken von Führungskräften in Teilzeit. Acht Praxisbeispiele aus allen Bereichen des Arbeitslebens und aus Unternehmen unterschiedlichster Größenklassen runden das lesenswerte Buch ab. Die entscheidende Frage, ob „Führung“ teilbar ist oder nicht, wird dabei nicht immer mit einem pauschalen „Ja“ beantwortet, sondern mit einem „es kommt darauf“ an: etwa von der Positionierung einer Stelle (Stab oder Linie) und der Dimension von Führung. Wichtig ist hier aber die Erkenntnis aus einer der Fallstudien, dass auch scheinbar unteilbare Führungsaufgaben wie die Beurteilung oder die disziplinarische Führung nicht automatisch eine Vollzeitbesetzung der Führungsposition erfordern.

Insgesamt schildern die Fallstudien die in den einführenden Beiträgen vermittelten Erkenntnisse gut fassbar und nachvollziehbar. Damit ist das im Springer Gabler Verlag veröffentlichte Buch (ISBN 978-3-658-07055-7) ein informativer und praxistauglicher Ratgeber zur Teilzeitführung.