ULA-Sprecherausschusstag 2017 : Europa stärken, Chancen der Internationalisierung nutzen

Der ULA-Sprecherausschusstag 2017 stand ganz im Zeichen internationaler Themen: Die Diskussion über richtige Akzente in der Wirtschafts- und Finanzpolitik nach dem Sieg des Proeuropäers Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen prägte den ersten Tag, das Thema „Führung unter Internationalisierung“ den zweiten Tag der Veranstaltung.

Rund 90 Personen nahmen an der Veranstaltung teil, die am 31. Mai und 1. Juni 2017 im DRIVE. Volkswagen Group Forum (Unter den Linden in Berlin) stattfand.  Der ULA-Sprecherausschusstag findet seit 2011 einmal jährlich im Frühling  statt. Sie bietet den betrieblichen Vertretern der leitenden Angestellten großer Unternehmen und oberen Führungskräften ein branchenübergreifendes Forum für einen Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu wichtigen Zukunftsfragen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Management.

Bilder des ersten Veranstaltungstages

  • Prof. Heiner Flassbeck mahnte einen Kurswechsel in der deutschen und europäischen Wirtschafts- und Fiskalpolitik an. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft sei teuer erkauft. Lange Phasen mit Lohnanpassungen unterhalb des Produktivitätswachstums in Deutschland hätten das Wachstum in Europa gedämpft, ebenso wie die Investitionszurückhaltung des Staates und der Unternehmen. Sein Votum: Mut zu mehr Schulden und mehr Konsum durch höhere Löhne. Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

  • Den Außenblick aus Frankreich auf Deutschland und den französischen Blick auf die Zukunft Europas lieferte Prof. Christian Lequesne von der Sciences Po in Paris. Die Zeit für die EU sei gekommen, nach vorn zu schauen. Reformen der Eurozone, gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik und ein neues Schengenabkommen seien die Hauptthemen.

  • Ein Blick ins Publikum.

  • Michaela Wiegel (3. v. l.), Korrespondentin der FAZ in Paris, berichtete von der Ausnahmestellung Emmanuel Macrons als dezidiert europäischer Kandidat im Kampf um die französische Präsidentschaft sowie über die Besonderheiten seiner politischen Bewegung „En marche“.

  • Bei der Podiumsdiskussion wurden vor allem die ökonomischen Thesen Professor Flassbecks kontrovers diskutiert. Einigkeit herrschte hingegen in der Einschätzung, dass eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit jetzt mehr denn je erforderlich ist, um die wirtschaftliche Stagnation in Europa und die Legitimationskrise der EU zu überwinden. Links im Bild: Dr. Ursula Weidenfeld , die die Veranstaltung an beiden Tagen moderierte.

  • Herausforderungen für die Mitbestimmung beleuchtete Prof. Rüdiger Krause. Zweifel an der Vereinbarkeit der Unternehmensmitbestimmung mit dem EU-Recht hielt er für unbegründet, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs stehe aber noch aus. Vorkehrungen gegen die Nutzung europäischer Rechtsformen zur Vermeidung von mehr Mitbestimmung seien aus seiner Sicht rechtlich zwar möglich, politisch aber schwer durchsetzbar. Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

Bilder des zweiten Veranstaltungstages

  • Eine Vergemeinschaftung der europäischen Sozialpolitik sei die Einführung einer Transferunion durch die Hintertür, erklärte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). In Wirklichkeit benötige Europa bessere Rahmenbedingungen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Bildung. Damit würden insbesondere für mehr junge Menschen Zukunftschancen geschaffen. Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

  • Peter Weiß, MdB von der CDU/CSU, stellte das Betriebsrentenstärkungsgeset z vor. Die Sorge von Führungskräften vor einer Verdrängung „klassischer“ Betriebsrenten durch neue tarifl iche Varianten mit weniger Ar beitge berpflichten und ohne Garantien teilte er nicht. Wei ß verwies aber auf die Überprüfungsklause l im Gesetz. Sie sei wichtig, da die genauen Effekte eines so neuartigen Reformansatzes schwer prognostizierbar seien.

  • Das wirtschaftliche Potential Afrikas war das Thema von Christoph Kannengießer vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Er verwies auf die vielerorts hohen Wachstumsraten, auf Fortschritte bei Politik und Governance sowie auf das Anwachsen einer konsumstarken Mittelschicht. Dies berge Chancen, nicht nur im Export. Deutsche Unternehmen könnten auch in der Konkurrenz mit anderen Investoren von einem guten Ansehen profitieren.

  • Kommunikation und Kooperation über digitale Plattformen liefern für Harald Schirmer von der Continental AG den Schlüssel zu erfolgreicher Führung in international tätigen Konzernen. Arbeiten werde zu einem Lernprozess. Unternehmen müssten in diesen Prozess im eigenen Interesse investieren und sich von kommunikationsbehindernden Hierarchien lösen. Die Rolle von Führung wandle sich – von „managing change“ zu „leading change“.

  • Die Grundsätze für Entsendungen an einen der mittlerweile 120 Auslandsstandorte des Volkswagen Konzerns stellte Dr. Karen Lange am 2. Veranstaltungstag vor. Basis sei das Heimatlandprinzip: Die Mitarbeiter werden gestellt, als seien sie noch im Inland beschäftigt. Für eine gelungene Reintegration am Ende des Einsatzes sei auch ein von Anfang an konsequentes „Erwartungsmanagement“ nötig.

  • Jörg Rumpf (KornFerry-HayGroup) legte Gründe für den Bedeutungszuwachs vir tueller Teams dar, darunter Globalisierung, Demografie und Gleichberechtigung. Durch sie wachse die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsformen.

  • In der abschließenden Podiumsdiskussion vertraten neben ULA-Präsident Dr. Roland Leroux (hier im Bild) sowie Dr. Hans-Peter Fischer, Vorsitzender der Volkswagen Management Association, den Standpunkt der leitenden Angestellten.

  • Während der Diskussion wurde auch kritisch hinterfragt, was am Arbeiten in Netzwerkstrukturen wirklich neu sei und wie die relevanten Fähigkeiten gemessen und in der Gehaltsgestaltung richtig abgebildet werden können. Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

Auch das Publikum spielte eine aktive Rolle

  • Auch die Teilnehmer spielten eine aktive Rolle. Mit gezielten Nachfragen verdeutlichten Sie den praktischen Standpunkt der leitenden Angestellten in den Unternehmen ein und brachten die Diskussion voran. Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

  • Am Mikrofon Dr. Marc Heider (BASF SE)

  • Dr. Thomas Sauer (Evonik Industries und Mitglied im Vorstand des VAA – Führungskräfte Chemie)

  • Hier am Mikrofon: Rainer Nachtrab (BASF SE und erster Vorsitzender des VAA – Führungskräfte Chemie)

  • Dr. Roland Leroux (SCHOTT AG, ULA-Präsident und Vorstandsmitglied im VAA – Führungskräfte Chemie)

  • Am Mikrofon: Dr. Klemens Minn (BayerCropScienes). Alle Fotos: Jens Gyarmaty – ULA

 

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