Im Rahmen der Kooperation zwischen ULA und Leadership Insiders empfehlen wir Ihnen die Lektüre eines neuen, kompakten Beitrags von Prof. Jürgen Weibler zum Thema “Langeweile. Kreativitätsschub für die Führungsetage.”

Die Philosophen Renate Breuninger und Gregor Schiemann haben sich vor Kurzem in einem Herausgeberwerk auf die Suche nach dem besseren Verständnis der Langeweile begeben, einem unzeitgemäßem Gefühl, das in unserer nahezu eingeforderten Erlebnisgesellschaft gerne tabuisiert wird.  Für Führungskräfte sowieso: „Langeweile, was ist das?“. Ein Zugeständnis wäre ein absolutes No-Go, strombergmäßig allenfalls in einer Form wie „nur in ihrer Gegenwart“ zulässig.  Denn: Es gibt doch immer etwas zu tun, immer etwas zu verbessern, so die Managementerzählung. Guihyun Park von der Singapore Management University rehabilitiert die Langeweile mit ihrem Forscherteam (2018) und zeigt, dass Langeweile ein origineller Kreativmotor nicht zuletzt für Führungskräfte sein kann. Leadership Insiders zeigt wieso.

Was ist Langeweile?

Wann überkommt Sie die Langeweile? Wie fühlt sich das an? Nun, die Anlässe sind individuell verschieden, wie es sich anfühlt, nicht so sehr. Cynthia Fisher, Managementprofessorin an der Bond University, Australia, beschreibt die Langeweile als einen Gefühlszustand, der sich nicht gut anfühlt, der einen unzufrieden zurücklässt, der sich durch einen Mangel an Stimulation manifestiert und der das, was man gerade macht (wenn man etwas macht), nur schwerlich konzentriert angehen lässt. Durchaus also ein Zustand, der im Berufsalltag erlebt wird. Personen schildern, dass die Zeit nicht vergehen will, sich demnach das Gegenteil von Flow einstellt. Plötzlich fühlt man sich in der Situation gefangen, wird ziellos unruhig oder fühlt sich möglicherweise schuldig, so viel Zeit zu verschwenden.

Die zwei Seiten der Langeweile?

Die Langeweile hat einen schlechten Ruf. Nicht nur, dass der, der sie verspürt, in unserer Gesellschaft mehr oder weniger frustriert ist („Was geht da gerade alles an mir vorbei?“), sondern sie wurde beispielsweise auch als Auslöser für Gewalttaten und abweichendes (deviantes) Verhalten identifiziert.

Arthur Schopenhauer, immer für lebenspraktische Einsichten gut, sah das Leben zwischen Leiden und Langeweile pendeln. Dies stellt die Langeweile sogar noch hinter das Leiden, denn Erstere sei ein Motivator, damit sich etwas bewege und Wünsche nicht unerfüllt blieben:

Daß Wunsch und Befriedigung sich ohne zu kurze und ohne zu lange Zwischenräume folgen, verkleinert das Leiden, welches Beide geben, zum geringsten Maaße und macht den glücklichsten Lebenslauf aus.

Arthur Schopenhauer (1819; Die Welt als Wille und Vorstellung, Viertes Buch, § 56)

Ist das, was zum Leiden zu sagen ist, nicht auch für die Langeweile von einer bedingten Gültigkeit – nicht so sehr für das glückliche Leben als solches, aber für die kreativen Momente, die dazu beitragen?

Die Teamkreativitätsexpertin Guihyun Park sieht das zumindest so, aber allein steht sie damit nicht. Mihály Csíkszentmihályi, der Nestor der Flow-Forschung, stufte die Langeweile schon vor rund 40 Jahren als eine günstige Voraussetzung  für die Entstehung von kreativen Ideen ein. Und vor 375 Jahren wurde Issac Newton geboren, der während eines ihn zu oft langweilenden zweijährigen Landaufenthaltes nach seinem Collegebesuch (1665) auf einige seiner bahnbrechenden Ideen kam. Gute Referenzen also, diesem ungewöhnlichen Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Langeweile regt die Kreativität an

Das Forscherteam um Guihyun Park demonstrierte durch drei Experimentalstudien, dass diejenigen, die deutlich gelangweilter waren als ihre Mitstreiter, mehr Ideen bei so genannten divergenten Kreativitätsaufgaben produzierten. Bei Leistungen, die auf Divergenz im Kreativitätsbereich setzen, kommt es auf die Anzahl von produzierten originellen Idee an, die, das weiß man aus anderen Studien, auch mit der Brauchbarkeit von Ideen korrelieren.

Dies gelang aber nicht allen Gelangweilten gleich gut. Nur die, die eine hohe Offenheit für die Sammlung von Erfahrungen angaben, eine höhere Zielorientierung besaßen, Freude beim Einsatz des Denkens für Probleme verspürten und glaubten, den Einfluss auf Anerkennung der Person selbst beeinflussen zu können, wurden durch die Langweile inspiriert. Als Faustregel kann hier gelten, dass es Personen sind, die lernwillig und bereit sind, Experimente zum Sammeln von neuen Erfahrungen und Informationen im Leben einzugehen. Für sie ist empfundene Langeweile eine Aufforderung, wieder positive Emotionen zu suchen.

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