EAF-Expert Lisa Hanstein hat das Potenzial von Künstlicher Intelligenz für mehr Fairness und Gleichstellung im Bereich weibliche Unternehmensgründung untersucht und eine praxisbezogene Expertise zu möglichen Anwendungsszenarien von KI im Rahmen des Projekts KITE veröffentlicht.

Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist in aller Munde. In Bezug auf Chancengerechtigkeit und Vielfalt birgt diese zukunftsweisende Technologie jedoch auch Risiken: Sei es das KI-basierte Recruiting-Werkzeug, das auf Basis diskriminierender Daten lernt und Frauen benachteiligt oder Gesichtserkennungs-Apps, die Schwarze Menschen weniger gut erkennen und damit rassistische Stereotype reproduzieren. Der Grund: Künstliche Intelligenz ist und bleibt menschengemacht und kann somit bestehende Ungleichbehandlungen der analogen Welt in den digitalen Raum übertragen.

Doch es lohnt sich, auch die Potenziale von digitalen Anwendungen und neuen Technologien, wie Künstlicher Intelligenz, für mehr Chancengerechtigkeit und Fairness in den Blick zu nehmen. Denn: Richtig entwickelte digitale Anwendungen sind im Gegensatz zu Menschen keinen Tagesstimmungen, keiner Müdigkeit und keinem sinkenden Blutzuckerspiegel unterworfen und können im besten Fall rationalere Entscheidungen treffen. Darüber hinaus können viele KI-basierte Systeme Zusammenhänge in riesigen Datenmengen erkennen, die sonst nicht sichtbar wären, z.T. auch vorher nicht definierte Probleme selbstständig lösen und auf Basis von vergangenen Erfahrungen lernen – Eigenschaften, die normale Software nicht leisten kann. So können bias-frei entwickelte KI-basierte Tools auch eingesetzt werden, um bestehende Ungleichbehandlungen sichtbar und unfaire analoge Prozesse fairer zu gestalten.

Für die Entwicklung von innovativen Ideen für den Einsatz von KI für mehr Fairness und Vielfalt in der Praxis bedarf es in den Anwendungsbereichen allerdings ein Grundverständnis darüber, was KI eigentlich ist und was technisch umgesetzt werden kann. Auch wenn der Begriff KI aufgrund seiner Komplexität und Vielschichtigkeit oft unklar bleibt und selbst bei Forschenden dieses Fachgebiets nicht eindeutig definiert ist: KI ist keine blaue Magie, sondern kann heruntergebrochen werden auf verschiedene Technologie- und typische Anwendungsfelder sowie durch anschauliche Beispiele aus der Praxis illustriert werden.

Um das Anwendungspotenzial von KI für mehr Chancengerechtigkeit und Vielfalt ein wenig greifbarer zu machen hat Wirtschaftsinformatikerin Lisa Hanstein in ihrer Expertise zum Thema „Mögliche Anwendungsszenarien von Künstlicher Intelligenz im Projekt KITE“ deshalb eine Toolbox mit sechs verschiedenen Szenarien für den Einsatz von KI entwickelt, die beliebig miteinander kombiniert werden können und sich alle an der Idee einer Trainings-App orientieren. Die Expertise bezieht sich auf Unternehmensgründungen, einen Bereich in dem geschlechtsspezifische unbewusste Denkmuster, Stereotypisierungen und Diskriminierungserfahrungen noch immer viele Frauen am Weg in die Selbständigkeit hindern oder den (Berufs-) Alltag von Gründerinnen erschweren. Die vorgestellten Beispiele lassen sich jedoch auch auf andere Bereiche übertragen – vielleicht sogar auch für Ihre zukünftige Idee einer KI-basierte Anwendung!

Geschrieben wurde die Expertise in Rahmen des Projekts KITE – KI Thinktank female Entrepeneurship der WeiberWirtschaft eG. Das Pilotprojekt im Auftrag der bundesweiten Gründerinnenagentur (bga) mit Förderung des KI-Zukunftsfonds des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) möchte mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Diskriminierungserfahrungen von Gründerinnen sichtbar machen und damit Frauen im Gründungsprozess stärken. In einer ersten Projektphase bis Juli 2021 werden Ideen entwickelt, wie eine KI-basierte Anwendung aussehen könnte. EAF-Senior Expert Hanna Völkle und Expert Lisa Hanstein begleiten das Projekt als Expertinnen.

Die genannte Expertise ist zusammen mit fünf weiteren spannenden Ausarbeitungen einsehbar auf der Projekt-Website von KITE unter https://www.kite-bga.de/expertisen/.