Landwirtschaft 4.0 – Digitalisierung in der Arbeitswelt

Durch die fortschreitende Digitalisierung wird die moderne Arbeitswelt sehr stark beeinflusst. Doch welche Richtung wird die technologische Entwicklung zukünftig einschlagen? Welche Anforderungen stellen Arbeitgeber in puncto technischem Know-how an ihre Mitarbeiter? Und werden die Studenten an den Hochschulen genügend auf den sich ändernden Arbeitsmarkt vorbereitet? Darüber haben Mitte Oktober 2017 in Berlin Experten aus der Grünen Branche beim VDL-Fachforum „Landwirtschaft 4.0 –  Digitalisierung in der Arbeitswelt“ des VDL-Berufsverbands Agrar, Ernährung, Umwelt diskutiert.

„Für uns als VDL, den größten akademischen Berufsverband im Agrar-, Ernährungs- und Umweltbereich in der Bundesrepublik Deutschland, stehen natürlich die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt besonders im Fokus“, erklärt VDL-Präsident Markus W. Ebel-Waldmann. „Wir haben erkannt, dass wir mit der Digitalisierung der Arbeitswelt in eine neue Ära eintreten; eine Ära, die gern auch 4. Industrielle Revolution bezeichnet wird und mit der sowohl quantitative als auch qualitative Verschiebungen einhergehen werden.“

„Wir müssen unser Bild von den Digital Natives überdenken“, bemängelte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Kiel Karsten Borchard. Die digitale Kompetenz bei Studienanfängern sei nur mangelhaft ausgeprägt: „Weitergehende Fähigkeiten wie beispielsweise Programmierkenntnisse sind bei den wenigsten vorhanden.“ Der Leiter des Lehrstuhls für Agrarsystemtechnik an der TU München Prof. Heinz Bernhardt betonte, dass bei aller Notwendigkeit, an den Hochschulen digitale Kenntnisse zu vermitteln, auch die landwirtschaftlichen Grundlagen nicht zu kurz kommen dürften. „Es darf nicht vergessen werden, dass wir es in der Landwirtschaft auch bei aller Technologisierung noch immer mit biologischen Systemen – mit Tieren, Pflanzen, Boden- und klimatischen Bedingungen – zu  tun haben.“

„Digitalisierung braucht Systemdenker!“, erklärte der Bereichsleiter für Digital Farming bei der BayWa AG in München Jörg Migende. „In Zukunft werden immer häufiger Menschen mit ganz unterschiedlichem beruflichem Background zusammenarbeiten. Daher wird es beispielsweise immer wichtiger, komplexe Sachverhalte leicht verständlich erklären zu können.“ Auf die Aspekte Datensicherheit und Datenhoheit ging der Beauftragte für Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 beim BMEL Dr. Bernhard Polten ein: Rechtliche Grundlagen seien notwendig. Polten appellierte aber auch an die Landwirte. „Jeder hat es auch selbst in der Hand, welche Daten er von sich preisgibt.“

Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Landfrauenverbands Caroline Dangel-Vornbäumen sprach zum Thema Digitalisierung im Ehrenamt: „Durch die Digitalisierung ist es den Menschen leichter möglich, sich auch unabhängig von Vereinen oder Verbänden ehrenamtlich zu engagieren.“ Als Beispiel nannte sie die Flüchtlingshilfe, die vielerorts regional und unabhängig von Vereinen oder Institutionen organisiert sei.

„Medienkompetenz ist eine fundamentale Voraussetzung, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Dennoch ist das Thema an den Hochschulen noch viel zu wenig präsent“, so das Fazit von Markus W. Ebel-Waldmann. Der VDL-Präsident versprach, dass der Verband an dem Thema dran bleiben werde.

Auf www.vdl.de gibt es einen ausführlicheren Bericht zum VDL-Fachforum