Im Rahmen der Kooperation zwischen ULA und Leadership Insiders empfehlen wir Ihnen die Lektüre eines neuen, kompakten Beitrags von Prof. Jürgen Weibler zum Thema “Wie ‘verrückt’ sind Entrepreneure? Studien zur Persönlichkeit einer Ausnahmespezies”.

„Schwerreich, geduldig und etwas verrückt“. So charakterisierte die Süddeutsche Zeitung 2013 den Amazon Gründer Jeffrey Bezos, als er die Washington Post erwarb. Die Co-Charakterisierung „verrückt“ ist im populäreren Kontext nicht unüblich, wenn über Entrepreneure und Entrepreneurship geschrieben wird. Dies ist sicher den oftmals recht unorthodoxen Gründungsideen geschuldet, aber wohl auch der persönlichen Herausforderung, die ein Gründungsprozess darstellt – und das alles angesichts der hohen Rate des Scheiterns von neugegründeten Unternehmen bis zum Erreichen der kritischen Überlebensschwelle von fünf Jahren Marktpräsenz. Leadership Insiders skizziert, ob sich das „Verrückte“ nicht fundierter fassen lässt – ein Plädoyer für Toleranz abseits der Norm.

Wer freiwillig (!) gründet, ist bereits eine Ausnahme

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2017) sieht das Ziel der Realisierung einer neuen Geschäftsidee in 46 Prozent der Fälle als die wichtigste Gründermotivation an. Dienstleistungen dominieren dabei seit Jahren. Allerdings ist, durchaus überraschend, nur in 15 Prozent der Fälle von innovativen Gründungsideen auszugehen, die Mehrheit versucht sich an bewährten und erprobten Geschäftsideen. Vielleicht scheitern auch deshalb mehr als 80 Prozent in den ersten drei Jahren, im Übrigen oftmals aufgrund von Problemen im vorwiegend männlichen Gründungsteam selbst (Gründerpilot 2018). „Alleinbleiben“ ist allerdings auch keine Alternative. Nur eines von zehn erfolgreichen Start-ups besteht aus nur einem Gründer.

Da verwundert es nicht mehr so arg, dass sich dem globalen Forschungsprojekt GUESS (2013) zufolge kaum mehr als 5% der Studierenden überhaupt ernsthaft fragen, ob sie gründen wollen. Der Anteil der mehrheitlich männlichen Studierenden in den Mittzwanzigern, die sich tatsächlich dann als Gründer hervortun, liegt laut Gründungsradar (2015) meist weit unter der 1%-Marke aller Studierenden. Auch die 133 Professuren für Entrepreneurship an den Universitäten wie Fachhochschulen bewegen hier keine Berge.

Alles in allem ist es also fast schon ein rationales Verhalten, die Finger von einer Gründung zu lassen. Nicht umsonst heißt es, dass nicht gründet, wer viel nachdenkt. Ist möglicherweise deshalb etwas dran an dem, was in der volkstümlichen Zuschreibung auf sympathische Art und Weise mit Entrepreneurinnen und Entrepreneuren verbunden wird, nämlich aufgrund ihrer speziellen Persönlichkeitsstruktur abseits der beruflichen Normalbiografie zu wandeln?

Gründerpersönlichkeit

Die Erforschung der Persönlichkeit ist eine zentrale Aufgabe der Psychologie. Rückt der Begriff der Persönlichkeitsstruktur in den Vordergrund, geht es um eine Aussage über die Grundfeste einer Person. Wir wissen, dass sich die Persönlichkeitsstruktur auf Basis genetischer Anlagen in der Auseinandersetzung mit Personen, Ereignissen und (vorliegenden) Gegebenheiten entwickelt. Spricht man von einer „Gründerpersönlichkeit“, geht man davon aus, dass es einer bestimmten Struktur der Persönlichkeit bedarf, um das unsichere Geschäft der Gründung einer Unternehmung anzugehen (oder dass es zumindest begünstigend wäre, wenn diese Struktur vorläge).

Seit der irische Nationalökonom Richard Cantillon den Begriff des Entrepreneurs im 18. Jahrhundert folgenschwer in das Schrifttum einfügte, hat es nicht an ernsthaften Versuchen gefehlt, diese Persönlichkeitsstruktur eines Entrepreneurs näher zu bestimmen (z.B. Siegerwillen, Initiative, Voraussicht). Von dem österreichischem Nationalökonomen Joseph A. Schumpeter wurde der Entrepreneur beispielsweise als dynamischer Träger der wirtschaftlichen Entwicklung (im Sinne einer „schöpferischen Zerstörung“) angesehen, dem allerdings, wieder nach Schumpeter – und im Gegensatz zu anderen Führenden –, persönlicher Glanz weitgehend fehle und der deshalb vordringlich im nüchternen Wirtschaftsbereich reüssieren müsse.

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